Pierluigi Coppo -
Rosenthal GmbH

 

Gemeinsam mit seinem Bruder Franco (60 Jahre) baute Pierluigi Coppo zunächst den elterlichen Betrieb aus. 1978 kauften die beiden Paderno, einen Hersteller von Gastronomiebedarf – Töpfe, Pfannen und Kochgeschirr. 1997 kam der Besteckhersteller Sambonet dazu. Beide Unternehmen wurden von den Coppo-Brüdern erfolgreich saniert. 2009 übernahmen sie die Porzellanfirma Rosenthal.


Rosenthal GmbH

Die Gründerjahre: Philipp Rosenthal
Rosenthal wurde 1879 als Porzellanfabrik Philipp Rosenthal & Co. im oberfränkischen Erkersreuth bei Selb von Geheimrat Dr. h. c. Philipp Rosenthal gegründet. Ursprung des Unternehmens war die Dekoration zugekaufter Weißware. Nach ersten wirtschaftlichen Erfolgen entschied Philipp Rosenthal 1891, selbst Porzellan herzustellen. Im Jahr 1904 – zum 25jährigen Firmenjubiläum – beschäftigte Rosenthal bereits 1.200 Mitarbeiter.

Seit der Gründung ist Rosenthal mit Formen und Dekoren richtungweisend. Bereits Philipp Rosenthal suchte auf Reisen und Messen, in Ausstellungen und Museen nach neuesten Entwicklungen und Anregungen für zeitgemäße Gestaltung des Porzellans. Mit der Genehmigung einer Rosenthal Kunstabteilung für die Herstellung figürlichen Porzellans 1910 wurde die hohe Geltung und Anerkennung der Marke "Rosenthal" unterstrichen. Eine Kunstabteilung war bis zu diesem Zeitpunkt ein Privileg der königlichen und fürstlichen Manufakturen.

1929 beschäftigte das Unternehmen in seinem 50. Gründungsjahr rund 7.000 Mitarbeiter (mit Bereich Rosenthal-Technik) und verfügte über zahlreiche Produktionsbetriebe in Deutschland und Vertriebsniederlassungen im In- und Ausland. Die Marke "Rosenthal" war weltberühmt. Das "Dritte Reich" bedeutete auch für die Rosenthal AG eine Zäsur. Geheimrat Philipp Rosenthal musste wegen seiner jüdischen Herkunft 1934 aus dem Unternehmen ausscheiden. Er starb 1937 im Alter von 82 Jahren.

Die Nachkriegszeit: Neuanfang unter Philip Rosenthal
1950 trat der Sohn des Firmengründers, Philip Rosenthal, in die Rosenthal AG ein. Er war zunächst als Werbeleiter tätig, später übernahm er die Leitung der Produktgestaltung, anschließend die Leitung des Verkaufs. Von 1958 bis 1981 prägte Philip Rosenthal als Vorstandsvorsitzender die Weiterentwicklung der Rosenthal AG. Bis 1989 blieb Philip Rosenthal dem Unternehmen als Vorsitzender des Aufsichtsrats und danach als Ehrenvorsitzender verbunden. Unter seiner Führung hatte sich Rosenthal zu einem wegweisenden Unternehmen im Bereich Design und Kunst entwickelt. Aus einer Porzellanfabrik wurde ein Unternehmen für gehobene Tisch- und Wohnkultur. Als Unternehmer und Politiker setzte er sich vehement für eine Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital ein. Philip Rosenthal verstarb im September 2001 kurz vor seinem 85. Geburtstag.

Das Originale unserer Zeit
1961 wurde die Rosenthal studio-line (ursprüngliche Schreibweise: Rosenthal Studio-Linie) offiziell gegründet. Weit über 150 Künstler, Designer und Architekten, unter ihnen große Namen wie Raymond Loewy, Walter Gropius, Tapio Wirkkala, Björn Wiinblad, Mario Bellini, Jasper Morrison, Konstantin Grcic und Patricia Urquiola haben bis heute einzigartige, innovative wie avantgardistische Kollektionen für Rosenthal entworfen und damit den Ruf des Unternehmens als "Vorreiter im Design" gefestigt und weiter entwickelt. Über 450 Designpreise und zahlreiche Referenzen in international anerkannten Museen belegen bis heute die Vorreiterrolle von Rosenthal für innovatives Produktdesign.
Bereits 1958 wurde in einem Park in der Nähe der Produktionsstätten das Rosenthal Design-Studio (Architektin: Renate von Brause) gebaut. In diesem "Creative Center", wie es heute genannt wird, entwickeln externe Künstler und Designer gemeinsam mit dem Rosenthal Kreativ-Team ihre Konzepte und realisieren ihre Ideen.

Mit Kunst leben
Ende der 60er Jahre ging Rosenthal noch einen Schritt weiter und lud zeitgenössische Künstler ein, "Kunst in Porzellan" zu entwerfen. Kein geringerer als der Vater der documenta, Arnold Bode, hatte dazu angeregt. 1968 wurde die erste Edition der "Rosenthal Relief Reihe" der Öffentlichkeit präsentiert, u.a. von Henry Moore, Lucio Fontana und Victor Vasarely. In den 70er Jahren wurde die Kollektion um dreidimensionale Kunstobjekte und Künstlerdekore erweitert und in "Rosenthal Limitierte Kunstreihen" umbenannt. Noch heute entstehen in dieser Reihe limitierte Kunstobjekte, Künstlerdekore und einzigartige Solitäre.

Rosenthal Studio-Häuser
Um die neuen, zeitgemäß gestalteten Produkte auch im entsprechenden Umfeld präsentieren zu können, ging Rosenthal in den 50er Jahren dazu über, eigene Rosenthal Verkaufsabteilungen zu entwickeln. Nach dem Slogan "Das Markenbild von Heute ist der Umsatz von Morgen" wurde Rosenthal zu einem Vorreiter für Unternehmens-CI und eine hochwertige Markeninszenierung. 1960 wurde in Nürnberg das erste Rosenthal Studio-Haus eröffnet. Die 10 Studio-Häuser sind für Rosenthal ein wichtiger Pfeiler im Vertriebsnetz, sie tragen als "Flagship-Stores" außerdem zum Erscheinungsbild der Marke Rosenthal in der Öffentlichkeit bei.

Rosenthal Architektur am Standort Oberfranken
Die Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern hat auch den Standort von Rosenthal, die oberfränkische Stadt Selb, geprägt. Entwürfe von Otto Piene, Friedensreich Hundertwasser und Marcello Morandini schmücken die Fassaden der Rosenthal Verwaltungsgebäude.
Ende der 50er Jahre ging Rosenthal als einer der ersten Porzellanhersteller dazu über, Produktionsstätten auf der "grünen Wiese" zu errichten. Dazu zählen das 1960 errichtete Werk Thomas am Kulm in Speichersdorf mit einer Fassade von Morandini und die so genannte "Glaskathedrale" von Walter Gropius im oberpfälzischen Amberg (1970; heute im Besitz der Fa. Nachtmann). Die Porzellanfabrik Rosenthal am Rothbühl, 1967 nach Entwürfen von Walter Gropius gebaut, schrieb gar Architekturgeschichte.

Die Rosenthal AG vom 20. ins 21. Jahrhundert
Ende der 80er Jahre gerät die Porzellanbranche in eine umfassende Strukturkrise. Bedingt durch das Ende des Kalten Krieges und die Öffnung der Märkte verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der gesamten westeuropäischen Porzellanindustrie. Ein verändertes Verbraucherverhalten und ein kontinuierlich sinkendes Realeinkommen der Haushalte beschleunigten die Rezession in der Porzellanindustrie.
In den 90er Jahren beschritt Rosenthal eine Phase der Konsolidierung. Die Produktion wurde auf zwei Standorte in Oberfranken konzentriert, Produktion und Verwaltung modernisiert und optimiert. Heute fertigt Rosenthal in dem Werk Rosenthal am Rothbühl, Selb und dem Werk Thomas am Kulm, Speichersdorf. Insgesamt wurden rund 30 Mio. Euro in neue, automatische Fertigungsanlagen investiert. Damit verfügt Rosenthal über die weltweit modernsten Produktionsanlagen für die Porzellanherstellung und ist für den weltweiten Wettbewerb gut gerüstet.

Internationale Konzernstruktur
Rosenthal ist heute über eigene Auslandsniederlassung sowie die Kooperation mit Distributeuren in allen fünf Kontinenten vertreten. Die Hauptabsatzmärkte sind heute Zentraleuropa, Nordamerika, und Süd-Ost-Asien. Zu den wichtigsten Wachstumsmärkten zählen neben den USA auch Polen, Russland, China und Indien. Seit den 90er Jahren konnte Rosenthal seinen Exportanteil kontinuierlich auf heute über 53 % ausbauen.

Weiterentwicklung zum Lifestyleanbieter
In der heutigen Zeit präsentiert sich Rosenthal als internationaler Lifestyle-Anbieter im Premiumsegment Wohnen & Leben. Bereits seit 1993 entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Mailänder Modeatelier Versace exklusive und einzigartige Lifestyle-Kollektionen. Mit Lizenzkooperationen mit der US-amerikanischen "Andy Warhol Foundation" (seit 2002) baut Rosenthal dieses Segment erfolgreich weiter aus. Mit dem Namen Hutschenreuther – gegründet 1814 – erwirbt Rosenthal im Jahr 2000 eine traditionsreiche Marke hoher Bekanntheit und rundet damit ihr Markenportfolio ab. Die weltweite Führungsposition als Anbieter für Lifestyle und Design präsentiert Rosenthal im Jahr 2008 mit einer internationalen Marketing- und PR-Kampagne mit Karl Lagerfeld: Der Stardesigner und Fotograf inszeniert Rosenthal-Produkte in einer Aufsehen erregenden Bildsprache.

Rosenthal wird Teil der Sambonet Paderno Gruppe
Seit August 2009 ist Rosenthal Teil der Sambonet Paderno Gruppe, italienischer Marktführer in der Produktion hochwertiger Designartikel für Tisch und Küche, sowohl für Privathaushalte als auch Hotellerie. Durch die Übernahme von Rosenthal am 1. August 2009 entsteht ein marktführendes Unternehmen im Bereich der exklusiven Tischkultur. Mit Sambonet und Rosenthal verbinden sich zwei Größen, die sich ganz dem Design und der Innovation, der hohen Produktqualität und der Kundenfreundlichkeit verschrieben haben und sich beide durch ein starkes Profil, einen hohen Bekanntheitsgrad und Kundenattraktivität auszeichnen. Rosenthals erstklassige Positionierung im Einzelhandel und Sambonets Erfahrung und Kompetenz in der Hotelbranche garantieren der Gruppe eine Vorrangstellung auf dem internationalen Markt der Tischkultur – sowohl im Bereich der Privathaushalte als auch in Hotellerie und Gastronomie.


Ottmar C. Küsel

Pierluigi Coppo, Geschäftsführer der Rosenthal GmbH

 


Rosenthal GmbH
Philip-Rosenthal-Platz 1
D-95100 Selb
Tel.: 09287 / 72-0

www.Rosenthal.de
Rosenthal AG